Feldenkrais im Alltag: Theorie adé – die Praxis winkt
Feldenkrais im Alltag: Theorie adé – die Praxis winkt

Immer wieder begegnen uns schöne theoretische Konzepte und Ideen zu Themen, die unsere Umwelt, unser Berufsleben, unser gesellschaftliches Miteinander oder unsere Gesundheit zum Besseren verändern sollen. In der Theorie klingt das oft überzeugend. Doch wie sieht es mit der Umsetzung aus? Sollen immer nur die anderen etwas tun? Wie gut sind Sie darin, etwas bei sich selbst oder Ihren Gewohnheiten zu verändern?

Ins „Tun“ kommen

Etwas zu wissen heißt noch lange nicht, dass wir ins Handeln kommen. Es ist im Prinzip wie in der Fahrschule: Es reicht nicht, ein Leben lang immer nur Theoriebögen auszufüllen und Wissen anzusammeln. Irgendwann kommt der Punkt, wo wir uns das erste Mal ans Steuer setzen müssen, um unser Wissen ganz praktisch anzuwenden. Und: Wir müssen es selbst tun. Es reicht nicht, nur Beifahrer zu sein und sich anzuschauen, wie ein Mitschüler das Fahrzeug lenkt.

Ein Beispiel zeigt, wie sehr wir in alten Gewohnheiten verharren: Neulich habe ich an einer Fortbildung zum Thema „Ayurvedische Ernährung“ teilgenommen. Unter anderem kam dabei zur Sprache, dass Salat sehr schwer verdaulich ist. Deswegen würde es Sinn machen – anders als wir es gewohnt sind – den süßen Nachtisch als Vorspeise zu essen und erst nach dem Hauptgang zum Salat zu greifen.

Was passiert aber nach der Unterrichtsstunde im Speisesaal? Fast alle Seminarteilnehmer stehen zuerst in der Schlange am Salatbuffet, nur wenige sitzen an ihrem Platz und wenden sich dem Hauptgang oder dem Dessert zu. Mit anderen Worten: Nur Einzelnen ist es gelungen, das Gehörte in die Praxis umzusetzen.

Bei sich selbst beginnen

Schauen Sie sich Ihr eigenes Leben an: Wo sehen Sie sich in einer Warteschlange? Und alternativ: Wo gibt es in Ihrem Leben eine Idee, die Sie einfach in die Praxis umsetzen können? Es muss zunächst keine große Veränderung sein, die Sie anpacken. Beginnen Sie mit einer Kleinigkeit, mit etwas, was Ihnen relativ leicht fällt. Machen Sie die Erfahrung, wie es ist, eine Gewohnheit zu variieren. Vielleicht entdecken Sie ja, dass das neue Verhalten Ihnen guttut und sogar Spaß macht? Das macht Mut für einen nächsten Schritt, und so kommt allmählich ein Kreislauf in Schwung, der über das Tun zu echten Veränderungen in Ihrem Leben führen kann.

 

Text: Jürgen Bräscher