Die Freude wiederentdecken
Die Freude wiederentdecken

Allzu oft ist unser Alltag davon geprägt, zu funktionieren, diverse Pflichten zu erfüllen und damit zu Hause wie im Job alles „am Laufen“ zu halten. So manches Mal gehen in diesem Hamsterrad die Spontanität und die Freude verloren.

Während eines Feldenkrais-Seminars in Frankreich hatten die Teilnehmer zehn Tage lang Gelegenheit, diesen Kreislauf zu durchbrechen und sich wieder einmal unbeschwert zu fühlen. Denn beim Feldenkrais wie ihn Jürgen Bräscher unterrichtet, geht es nicht nur um Körperübungen, sondern vielmehr darum, ein neues Lebensgefühl zu entdecken.

Dazu gehört es auch, sich hin und wieder bewusst aus der Pflicht herauszunehmen und stattdessen seinem Körpergefühl zu folgen. Das kann sein, eine Übung auszusetzen, weil sie gerade zu anstrengend ist. Oder einen eigenen Bewegungsablauf zu finden, der einem besser entspricht. Vielleicht ist die spontane Eingebung aber sogar, die Feldenkrais-Stunde vorzeitig zu verlassen, weil es  gerade zu viel wird. In diesem Moment kann es für den Körper in der Tat sinnvoller sein, in der Sonne zu sitzen und ein Buch zu lesen.

Solch einem Bedürfnis nachzugeben, ist tatsächlich Lerninhalt des Urlaubsseminars gewesen. Denn was so einfach klingt, grenzt an zivilen Ungehorsam und stellt die Teilnehmer so manches Mal vor eine Herausforderung. Doch jenseits der selbstgesteckten Grenzen warten Belohnungen: Der eine erfährt eine neue Leichtigkeit, der andere kann sich einfach seines Lebens freuen oder wieder einmal aus vollem Herzen lachen.

Aus der Freude heraus lassen sich manchmal sogar neue Möglichkeiten finden. Auf einmal geht die Welt auf; wo vorher ein Korsett aus Pflichten war, können nun Ideen Einzug halten. Einer Teilnehmerin hat es in Frankreich so gut gefallen, dass sie gern für einige Zeit als Au pair- Großmutter wiederkommen möchte, sobald sie im Ruhestand ist. Eine tolle Perspektive, die sich da aufgetan hat!

 

Text: Petra Pliester